How much is enough?

1) Bespreking van het boek van Vader en Zoon Skidelsky: How much is enough ? in de Volkskrant van afgelopen zaterdag 11 augustus 2012

2) Bespreking in de FAZ, Frankfurter Alegemeine Zeitung van 23 juli 2012, met een onverwachte mooie referentie: Wilhelm Ropke, waar mijn vakantie in Duitsland allemaal niet toe leidt (met dank ook aan Piet & Puck Moerman):

Rückkehr des Paternalismus
Wachstumskritik von Vater und Sohn Skidelsky

Wachstumskritik ist ein Dauerbrenner. Wenn die Wirtschaft floriert, gibt es Bedenkenträger, die meinen, es könne so kaum ewig weitergehen. Wenn sie strauchelt, sehen sich die Besserwisser bestätigt. Einen aktuellen Anlass hierfür hat zuletzt die im Jahre 2008 ins Rollen gekommene Finanz- und Wirtschaftskrise gegeben, die nunmehr in Europa noch eine Staatsschuldenkrise nach sich zieht. Das ist eine ideale Vorlage für alle, die meinen, das “kapitalistische System” sei eben doch inhärent instabil und der hier gleichsam geheiligte Materialismus verderbe die Sitten.

Die ersten Bücher, die mit diesem Tenor auf den Markt kamen, waren mit heißer Nadel gestrickt und zuweilen in großer Erregung geschrieben. Das galt auch für Robert Skidelskys Buch “Keynes – The Return of the Master” (2009). Skidelsky ist als Verfasser einer dreibändigen Biographie immerhin einer der besten Kenner von Leben und Werk des britischen Ökonomen John Maynard Keynes (1883 bis 1946), der einst das Augenmerk auf Unsicherheit, Marktunvollkommenheiten und Schwankungen der Nachfrage lenkte sowie für den Staat eine wichtige Steuerungsaufgabe sah.

Mit etwas zeitlichem Abstand erscheinen nun tiefer argumentierende systemkritische Abhandlungen, die umso mehr Aufmerksamkeit verdienen. Ein solches lesenswertes Buch legt Skidelsky gemeinsam mit seinem Sohn Edward vor, der in Exeter Philosophie lehrt, unter dem Titel “How much is enough?”. Endlich unterzieht sich einmal ein Ökonom der Mühe, seine politischen Empfehlungen im Licht der Philosophie zu reflektieren und damit auch seine Wertvorstellungen klar offenzulegen. Ob man den Verfassern mit ihrer vormodernen, aristotelischen, naturrechtlich begründeten Ethik am Ende folgen will oder nicht – man weiß nach der Lektüre wenigstens genau, warum. Das Buch ist ein vorbildliches Beispiel dafür, wie auch ein Ökonom fundierte Wertedebatten führen kann.

Für die gemeinsame Arbeit hatten sich Vater und Sohn im Frühling 2011 nach Südfrankreich zurückgezogen. “A speck of the good life” sei diese Zeit gewesen, ein Stück vom guten Leben, schreiben die Autoren im Vorwort – und in diesen Worten ist der Kern ihrer Botschaft schon enthalten. Es ist dies keine ökonomische, sondern eine moralische Botschaft: Das Streben der Menschen möge sich mehr auf das im umfassenden Sinne gute Leben richten und nicht länger nur auf Geld und Wachstum; der Unersättlichkeit gelte es Schranken zu setzen. Die Aufgabe des Staates bestehe darin, hierfür mit dem gebotenen sanften Paternalismus die Voraussetzungen zu schaffen.

Wohl dank der Besinnung auf philosophische Kategorien ist das Buch in fast literarischer Sprache und im Ton recht behutsam geschrieben; nur gelegentlich bricht des Vaters polemische Ader hervor. Inhaltlich handelt es sich durchaus um eine kraftvolle Streitschrift. Zugleich jedoch ist das Buch eine Fundgrube für alle, die sich bilden wollen. Die Autoren spannen einen Bogen von Aristoteles über Marx zu Keynes und Marcuse. Es finden sich Verweise auf Goethe, auf Konfuzius und auf Machiavelli.

Die Verfasser bemühen
– die übliche Sättigungsthese (“Wir haben längst genug”),
– die Korruptionsthese (“Der Markt macht uns zu schlechten Menschen”),
– die Neoliberalismusthese (“Seit Ronald Reagan und Margaret Thatcher haben wir in einer Welt entfesselter Märkte gelebt”)
– die Oikodizee-These (“Die Ökonomen reden das Böse gut”).

Es drehe sich heute alles nur noch um Geld und um Wachstum, ohne dass jemand danach fragte, welchem Zweck dieser Wohlstand überhaupt dienen solle. Den Menschen sei vor lauter Arbeit die Fähigkeit abhandengekommen, sich einer Aktivität um ihrer selbst willen zu widmen. Der Markt generiere immer neue Bedürfnisse, auch wenn der lebensnotwendige Bedarf längst gedeckt sei. Der Fortschrittsglaube habe den Blick auf alles wirklich Wichtige verstellt.

Doch was ist das wirklich Wichtige? Das gute Leben, schreiben die Autoren – und dieses setze nur eine bescheidene Ausstattung mit materiellen Gütern voraus. Aber was ist das, das gute Leben? Muss das nicht jeder Mensch für sich selbst entdecken? Keineswegs, meinen die Skidelskys in unverblümter Anmaßung, denn über das gute Leben entscheide nicht jeder für sich, schließlich sei das gute Leben “im Wesentlichen ein Leben in der Gemeinschaft mit anderen”.

Das gute Leben bestehe nicht etwa im Streben nach Glück, wie die modernen Glücksökonomen meinten. Das Kapitel “The Mirage of Happiness” zählt zu dem besten, was man derzeit über dieses Thema lesen kann. Vater und Sohn Skidelsky lassen keine methodologische Schwäche des Ansatzes unerwähnt. Ihre Ablehnung begründen sie vor allem mit dem schlagenden Argument, dass das Glücklichsein eine viel zu eindimensionale Kategorie darstelle. Für ein gutes, ein erfülltes Leben lohne es sich auch durchaus, einmal unglücklich zu sein. Außerdem drohten auch hier totalitäre Übergriffe: “Wir wollen nicht die Wachstumsingenieure vertreiben, um sie durch Glücksingenieure ersetzt zu sehen.”

Das allerdings ist nicht als liberales Plädoyer für normative Zurückhaltung zu verstehen. Vater und Sohn Skidelsky halten es für völlig verfehlt, dass es sich Ökonomen gemeinhin bewusst versagen, die Präferenzen anderer Menschen zu bewerten. Sie rufen dazu auf, beherzt zu moralisieren.

Die Autoren haben sich einen Kanon an für das gute Leben erforderlichen “Grundgütern” ausgedacht, der sich fast wie ein modernisierter Text von Wilhelm Röpke liest: – Gesundheit,
– Sicherheit,
– Respekt,
– Personalität (woraus sie das Recht auf Privatsphäre und die Forderung nach einer Gleichverteilung von Eigentum ableiten),
– Freundschaft,
– Freizeit
– Harmonie mit der Natur (“ein universelles Bedürfnis der Seele”).

All dies sei heute im Zuge der Wachstumsfixierung unter die Räder gekommen oder gefährdet. Was also ist zu tun, was empfehlen die Autoren? Nichts, was nicht schon diskutiert wird, mitsamt den negativen Folgen: mehr Staatseinfluss, massive Umverteilung, ein bedingungsloses Grundeinkommen, progressive Konsumsteuern, eine Tobin-steuer, eine gebremste ökonomische Integration der Welt.

Neu ist, dass die Skidelskys um die Kehrseiten ihrer antikapitalistischen Folterwerkzeuge wissen und diese in Kauf nehmen – im Interesse des guten Lebens, von dem sie überzeugt sind, dass es für alle Menschen dasselbe beinhaltet. Immerhin sind sie ehrlich: “Wenn wir schon Paternalisten sind, dann offen und nicht durch die Hintertür.”

KAREN HORN.

Die Verfasserin ist Geschäftsführerin der Wert der Freiheit gGmbH in Berlin.

Robert Skidelsky/Edward Skidelsky: How much is enough?

Allen Lane, London 2012, 250 Seiten, 20 Pfund.

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